Kittenfutter: Was Katzenbabys wirklich brauchen

Zwei getigerte Kitten fressen nebeneinander Trockenfutter von einer Steinkante
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Ein Kitten ist keine kleine Katze, sondern ein wachsendes Tier mit einem völlig anderen Bedarf. Es baut in wenigen Monaten Knochen, Muskulatur und Fell auf – und muss die Energie dafür durch einen Magen bekommen, der noch winzig ist. Daraus ergibt sich fast alles, was bei der Fütterung zählt: ein energiedichtes, proteinreiches Futter, verteilt auf viele kleine Mahlzeiten.

Warum Kittenfutter und nicht einfach Adult-Futter?

Wachstumsfutter unterscheidet sich in drei Punkten vom Futter für erwachsene Katzen:

  1. Mehr Energie pro Gramm. Ein Kitten braucht, bezogen auf sein Körpergewicht, deutlich mehr Energie als eine erwachsene Katze – bei kleinerem Magen. Das geht nur über ein energiedichtes Futter.
  2. Mehr und hochwertigeres Protein. Muskulatur, Organe und Fell wachsen gerade erst. Katzen sind dabei obligate Fleischfresser: Das Protein muss überwiegend tierisch sein.
  3. Angepasste Mineralstoffe. Calcium- und Phosphorgehalt sind auf den Knochenaufbau abgestimmt – in einem Verhältnis, das Adult-Futter so nicht vorsieht.

Dazu kommen Nährstoffe, die für Katzen jeden Alters lebensnotwendig sind und die eine Katze nicht selbst in ausreichender Menge bildet – allen voran Taurin, das sie in der Natur über tierisches Eiweiß aufnimmt und das Fertigfutter zusätzlich zugesetzt bekommt. Nährstoffvorgaben für Wachstum und Erhaltung sind in den FEDIAF-Ernährungsrichtlinien der Branche festgehalten – daran orientiert sich in der Regel jedes Kittenfutter, das als Alleinfuttermittel deklariert ist.

Wie viel und wie oft?

Als grobe Orientierung für Trockenfutter mittlerer Energiedichte (ca. 350–400 kcal/100 g). Bei Mischfütterung entsprechend weniger Trockenfutter und dafür Nassfutter:

Alter Mahlzeiten pro Tag Trockenfutter/Tag (Richtwert)
2–4 Monate 4–5 ca. 30–50 g
4–6 Monate 3–4 ca. 40–65 g
6–12 Monate 3 ca. 50–75 g
ab 12 Monaten 2–3 Übergang aufs Adult-Futter

Die Werte sind Startwerte für eine durchschnittlich große Rasse – große Rassen liegen darüber. Maßgeblich bleibt die Fütterungsempfehlung des Herstellers, die sich nach Alter und erwartetem Endgewicht richtet. Anders als bei erwachsenen Katzen gilt beim Kitten: nicht knapp dosieren. Ein wachsendes Tier soll schlank, aber nicht hungrig sein – Rippen fühlbar, Bauch nicht aufgebläht, gleichmäßige Gewichtszunahme.

Rassespezifische Mengen nach Lebensphase findest du auf unseren Katzen-Seiten, die genaue Tagesration für erwachsene Tiere rechnet der Futterrechner aus.

Nass oder trocken für Kitten?

Beides funktioniert, und die Kombination ist der praktische Standard. Nassfutter liefert Feuchtigkeit – wichtig, weil Katzen ihren Flüssigkeitsbedarf über den Trinknapf allein selten decken; Kitten lernen das Lappen aus dem Napf zudem erst nach dem Absetzen. Trockenfutter ist energiedicht und kann über den Tag stehen bleiben, was bei 4–5 Mahlzeiten den Alltag erleichtert.

Bewährt hat sich: hochwertiges Kitten-Nassfutter mit hohem Fleischanteil als Basis, dazu eine kleine Portion Kitten-Trockenfutter. Harte Kroketten können für ganz junge Kitten kurz in lauwarmem Wasser eingeweicht werden. Wie die beiden Formen zusammenspielen und wie du sie ineinander umrechnest, steht ausführlich im Vergleich Trockenfutter vs. Nassfutter. Der Guide ist für Hunde geschrieben, das Verhältnis von Trocken- zu Nassfutter – etwa das Drei- bis Vierfache an Nassfutter – gilt für Katzen aber genauso.

Große und spät reifende Rassen: länger Junior-Futter

Bei den meisten Katzen ist das Wachstum mit etwa zwölf Monaten weitgehend abgeschlossen. Manche Rassen brauchen deutlich länger, bis sie fertig ausgebaut sind – teils, weil sie größer werden, teils, weil sie schlicht langsamer reifen:

  • Maine Coon – ausgewachsen erst mit rund 3–4 Jahren; rassespezifisches Kittenfutter ist auf bis zu 15 Monate ausgelegt.
  • Ragdoll – ebenfalls rund drei Jahre bis zur vollen Größe.
  • Norwegische Waldkatze – etwa vier bis fünf Jahre.
  • Britisch Kurzhaar und Britisch Langhaar – keine Riesen, aber ausgesprochen spätreif: Bis zur vollen körperlichen Reife können fünf Jahre vergehen.

Der eigentliche Energieschub liegt bei allen im ersten Lebensjahr – niemand füttert fünf Jahre lang Kittenfutter. Aber ein Wechsel mit exakt zwölf Monaten ist bei diesen Rassen zu früh. Üblich ist Junior-Futter bis etwa zum 12.–15. Monat, bei sehr großen Tieren auch darüber hinaus.

Der Wechsel aufs Adult-Futter

Zwei Dinge fallen bei vielen Katzen zeitlich zusammen: das Ende des Wachstums und die Kastration. Beides senkt den Energiebedarf – die Kastration deutlich, während der Appetit oft sogar steigt. Genau hier entsteht das Übergewicht, das ruhige Rassen später besonders oft mitschleppen.

Deshalb: Beim Wechsel nicht nur die Sorte tauschen, sondern auch die Menge neu ansetzen. Nach der Kastration ist ein Sterilised-Futter oder eine reduzierte Portion die richtige Antwort. Umgestellt wird wie immer schrittweise über 7–10 Tage, indem der Anteil des neuen Futters langsam steigt.

Das Wichtigste in Kürze

Kittenfutter ist kein Marketing, sondern eine andere Rezeptur für eine andere Lebensphase: energiedicht, proteinreich, auf den Knochenaufbau abgestimmt. Gefüttert wird oft und in kleinen Portionen, ohne knapp zu dosieren. Große Rassen bleiben deutlich länger im Wachstum und brauchen entsprechend länger Junior-Futter. Und beim Umstieg auf Adult-Futter entscheidet die neue Portionsgröße darüber, ob aus dem schlanken Kitten eine schlanke Katze wird.